2. November 2016

Digitalisierung der Lieferkette durch Leichtbau

„Luftfahrt meets Leichtbau“ in Stuttgart – Experten sehen große Potenziale in der Digitalisierung der Lieferkette durch Leichtbau

Die Digitalisierung der kompletten Lieferkette bietet im Luft- und Raumfahrtbereich große Potenziale – gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Bedarf besteht unter anderem an gemeinsamen Schnittstellen und Standards, wie die Veranstaltung „Luftfahrt meets Leichtbau“ am Montag (24. Oktober 2016) in Stuttgart zeigte. Notwendig macht dies die geplante Produktionssteigerung bei Airbus.

In einem Expertengespräch zu dem Thema „Was brauchen KMU? “ sagte Dr. Dietmar Völkle, Head of Technology and Industrial Design beim 1st-Tier-Zulieferer Diehl Aircabin GmbH, „Full-3D im Engineering-Bereich muss kommen“. Dann seien unter anderem Toleranzanalysen durch Simulation möglich. Wichtig sei auch, dass Unternehmen die digitalen Schnittstellen gemeinsam definieren. Auch müsse die Informationskette entlang der Lieferkette weitergeführt werden.

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Norbert Schröder vom Branchenverband SPACE führte an, die Digitalisierung müsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfolgen, um einen Mehrwert für alle Unternehmen der Luftfahrtzulieferkette zu erzielen. „Wenn wir es nicht schaffen, die Produktionsraten hochzufahren, werden wir Marktanteile im globalen Wettbewerb verlieren.“ Gemeinsam mit der Initiative „Supply Chain Excellence“ werde daher daran gearbeitet, kleine und mittlere Unternehmen auf den richtigen Weg in die Digitalisierung zu führen. Auch gebe es seit Neuestem eine Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) e.V.an der RWTH Aachen, einem der vom Bundeswirtschaftsministerium ausgewählten „Kompetenzzentren Mittelstand 4.0“.

Thomas Mauthe aus der Geschäftsführung der Schüschke GmbH & Co. KG sprach sich für die Schaffung von gemeinsamen Standards aus, die einheitlich entlang der Lieferkette angewendet werden. Er forderte auch einfache Lösungen bei der Digitalisierung – vor allem mit Blick auf die Mittelständler wie sein Unternehmen mit 70 Beschäftigten. Hier müssten sich die heutigen Lösungsanbieter ändern. „Ich brauche keine Lösung für eine Million Euro, sondern eine für 10.000 Euro, die ich morgen integrieren kann.“

Arnd Schirrmann von der Airbus Group, schilderte aus Sicht seines Unternehmens die Notwendigkeit und Bedeutung der digitalen Lieferkette. Er gab zu bedenken, dass aktuell ein Lieferrückstand von rund 6.000 Maschinen bestehe, was acht Jahre Wartezeit für die Kunden bedeute. Das Unternehmen sei daher gezwungen, die Auslieferung zu erhöhen. Notwendig sei daher eine stärkere Industrialisierung, bei der auch die Zulieferer mitziehen müssten.

Der Geschäftsführer der Leichtbau BW GmbH, Dr. Wolfgang Seeliger, sagte zum Zusammenhang zwischen Leichtbau und Digitalisierung, dahinter stünden etwa konstruktive Rechen- und Simulationsmethoden und vor allem die durchgängige Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die dafür notwendig sei. Durch die komplette Digitalisierung könnten Produkte deutlich schneller und optimiert an den Markt gebracht werden. Seeliger: „Das ist einer der größten Werthebel für Unternehmen, der viel Potenzial eröffnet.“

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Der Vorstandsvorsitzende des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg e.V. (LRBW), Prof. Dr. Rolf-Jürgen Ahlers, sagte, „die Lieferkette in der Luft- und Raumfahrtindustrie beginnt sich durch die Digitalisierung massiv zu verändern“: Die Unsicherheit bei den kleinen und mittleren Unternehmen sei angesichts der rasanten Geschwindigkeit groß. Hier sei auch Leichtbau gefragt, etwa durch die Möglichkeiten der Funktionsintegration. Dabei helfe die Digitalisierung als Thema, das über Prozesse zu neuen Produkten führe.

Bei der Veranstaltung zur Digitalisierung der Lieferkette im Zentrum für Virtuelles Engineering am Fraunhofer IAO in Stuttgart stellten mehrere Zulieferer auch Best-Practise-Beispiele aus dem Luftfahrtsektor vor – unter anderem zum Thema 3D-Druck. Auf dem Programm standen auch Exkursionen etwa in die 3-D CAVE beim Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart. Organisiert wurde der Event vom Forum Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg e.V. und der Leichtbau BW GmbH.


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