12. November 2018

8. Aviation Forum

Vom 5. Bis zum 7. November 2018 fand in Hamburg das 8. Aviation Forum statt. Insgesamt 750 Luftfahrt-Experten aus 25 Ländern, darunter 80 Airbus-Einkäufer und 93 Aussteller waren auf der Messe vertreten. Neben interessanten Vorträgen von Experten und Unternehmen, BtoB-Meetings, Workshops und Paneldiskussion lud das Forum zum Netzwerken ein. Das Forum stand dieses Jahr unter dem Slogan „tommorows Aerospace supply Chain“. Das Forum Luft- und Raumfahrt war mit einem Stand vertreten.

 

Am Montag den 5. November nahm der LR BW an einer Werksführung bei Airbus teil und konnte sich die Fertigung des A320 und A380 aus der Nähe ansehen.

 

Am Dienstag den 6. November begann das Aviation Forum mit der Begrüßung durch Prof Dr. Johannes Walther (Geschäftsführer des Instituts für Produktionsmanagement, IPM AG).

Danach begrüßte Volker Thum (Geschäftsführer des BDLI) die Teilnehmer.

In Deutschland würden insgesamt 109.500 Arbeitnehmer der Luftfahrtbranche angehören und würde insgesamt circa vier Milliarden Euro umsetzen. Davon würden 73 Prozent in der zivilen Luftfahrt Branche umgesetzt, 19 Prozent in der militärischen Luftfahrt und 8 Prozent im Aerospace-Bereich. Volker Thum geht davon aus, dass die Digitalisierung in der Luftfahrtbranche dazu führe, dass bis 2050 alles miteinander verbunden wäre und sprach über „Smart Airplanes“. Aber nicht nur die Flugzeuge würden digitalisiert sondern auch das Testmanagement und die Zertifizierungsprozesse.

 

In einem nächsten Vortrag präsentierte Simone Berger (Direktorin der Systemstrategie von Boeing) ihre Sicht auf die Veränderung in der Supply Chain. Boeing geht davon aus, dass die Airlines rund 41.000 neue Flugzeuge in den nächsten 20 Jahren benötigten. Die Airlines stünden in einem erhöhten Kostendruck und harten Wettbewerb, welchen sie an die Hersteller weitergäben. Deswegen liegen die neuen Herausforderungen in der Standardisierung, in der Senkung der operationalen Kosten und in der Zuverlässigkeit der Aftermarkets bzw. Service-Strukturen. Die Herausforderungen zeigten sich besonders in den Veränderung der Einkaufs-Strategien und Strukturen. Boeing unterteilt ihre Einkaufs-Strukturen nach den Bereichen Service, Systeme, Interieur, Antrieb und Rohstoffe. Darüber hinaus plane Boeing eine vertikale Integration fortzuführen, indem sie mit den Lieferanten enger zusammenarbeiten wollen. Daneben verschiebe sich der Markt in den asiatischen Raum, da 2036 41 Prozent der Nachfrage aus Asien kommen würde.

Die Standardisierung der Prozesse und Teile wird weiterhin fortschreiten, da die Anzahl an Modellen und gefertigte Flugzeuge im Monat stetig steigen.

 

In weiteren Vorträgen des Unternehmens GKN Aerospace und Strata Manufacturing wurde erklärt, wie wichtig es ist in der klaren Organisationsstruktur dem Leitgedanken „One face to the customer“ zu entsprechen und eine klare Personalentwicklungsstrategie zu entwickeln, um innovative und qualitativ hochwertige Produkte herzustellen.

 

In einem Workshop, an dem der LR BW teilnahm, wurde über das Thema Additive Manufacturing bestimmte Thesen diskutiert. Dabei waren sich alle Teilnehmer des Workshops einig, dass der 3D-Druck nur da Sinn mache, wo die konservative Herstellung nicht überlegen sei. Außerdem solle sich ein Unternehmen nicht zwingend in diesem Bereich engagieren, wenn konservative Prozesse und Herstellungsverfahren günstiger und geeigneter erscheinen. 3D-Druck und additive Verfahren sind also wichtig für die Zukunft, sind aber nicht revolutionärer Art. Zudem wurde nochmals betont, dass im Bereich des 3D-Drucks ein standardisiertes Verfahren fehle und es schwierig sei bei den Herstellern eine Zertifizierung zu erlangen.

 

Am zweiten Tag des Forums begrüßte Prof. Dr. Joachim Szodruch (Präsident, Hamburg Aviation) die Teilnehmer und ging insbesondere auf die Supply-Chain-Excellence-Initiative ein, die darauf ausgerichtet sei, durch die Arbeit der regionalen Luftfahrtverbände, die kleinen mittelständischen Zuliefererbetriebe und die Hersteller in Deutschland zusammenzubringen. Außerdem begrüßte Suzanne M. Benoit (Präsidentin, Aero Montreal) die Teilnehmer und umriss die Kooperation mit Hamburg und dessen Luftfahrtindustrie.

 

In einem Vortrag von ATR durch Dr. David Brigante (Vize Präsident Einkauf) wurde erklärt, dass besonders das Wachstum des E-Commerce-Marktes dazu führe, dass das Cargo Geschäft explodiere. Bis 2021 soll z.B. der Logistiker FedEx 450 neue Cargo Flugzeuge erhalten. Dr. Brigante sieht die Zulieferer besonders in der Pflicht proaktiv auf die Hersteller zuzugehen, um ihre Technologien einzubringen.

 

Anschließend stellte das Unternehmen Thales die vier Treiber der Zukunft für die Luftfahrt Branche vor. Zu den vier wichtigsten Trends gehören nach der Meinung von Thales Kommunikationslösungen, Daten, Artificial Intelligence und Cybersecurity.

Thales möchte sich weiter in dem Markt für „urban mobility“ und Drohnen engagieren und will mit ihren Systemen das autonome Fliegen ermöglichen. Letzteres sei vor dem Hintergrund des wachsenden Flugverkehrs für den sicheren Flugverkehr unausweichlich. Das autonome Fliegen will Thales besonders mit einer End-to-End Kommunikations-Lösung vorantreiben.

 

In weiteren Vorträgen von der Lufthansa und Kühne und Nagel wurde deutlich, dass digitale Lösungen und Applikationen die Zukunft der Luftfahrt Branche mitbestimmen. Für die Vernetzung der Flugzeuge, über die Flughäfen bis hin zum Endkunden sind qualitativ hochwertige Daten die Grundlage für erfolgreiche Geschäftsmodelle und effiziente Abläufe.

Im Bereich der Digitalisierung sei festzustellen, dass das Vertrauen in die Lösungen und in die Unternehmen und ihren Umgang mit der Datensicherheit besondere „Game-Changer“ darstellen.

 

Zum Schluss des Forums berichtete Dr. Klaus Richter (Einkaufsleiter) von Airbus über die fünf Herausforderungen in der Supply Chain in den Bereichen „Ramp-up“, Industrialisierung, Kostenreduktion, Digitalisierung und Innovation sowie Globalisierung.

Beim Ramp-up der Projekte besteht die Herausforderung momentan darin, die entsprechenden Volumina zu prognostizieren, um daraus Technologien und Fertigungsverfahren sowie Beteiligungen von Zulieferern auszumachen. Bei der Einführung von neuer Technologie sei es besonders wichtig mit den Zulieferern ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Kostenreduktionen und der Prozess der Industrialisierung sei nur dann möglich, wenn die Herstellungsprozesse in der Luftfahrt standardisiert werden, um stabile Industrieprozesse zu etablieren. Dabei sei das Potenzial immer noch nicht ausgeschöpft.

Zu dem Punkt der Digitalisierung der Supply Chain sei es besonders wichtig, durch Datenanalysen und Bereitstellung von Daten, Prozesse zu automatisieren und Transparenz zu schaffen. Der Datenaustausch würde besonders Lösungen im Bereich „Maintenance“ vorantreiben und helfen entsprechende Waren und Dienstleistungen „just-in-time“ zur Verfügung zu stellen

Innovationen in der Luftfahrtbranche konzentrierten sich auf die Reduktion von Treibstoff, auf neue Leichtbautechnologien sowie auf die Standardisierung von Komponenten.

Die Globalisierung führe auf die asiatischen Märkte, da China bald eine eigene A320 Fertigung hätte. Die Emerging-Markets würden nicht nur durch die günstigeren Kosten in Betracht gezogen, sondern auch durch den dort wachsenden Bedarf an Flugzeugen.

 

Das 8. Aviation Forum stand im Zeichen der Digitalisierung und der Vernetzung. Dieses Vehikel soll Innovationen und technische Erneuerungen sowie neue Geschäftsmodelle vorantreiben und Kosten reduzieren. Die Hersteller folgen den Nachfragern und deshalb werden in den nächsten Jahren Produktionsorte zunehmend vom Westen in den asiatischen Raum wandern.

 

Für den LR BW nahm Christopher Busch.

 

Ausblick:

 

Ab 2019 wird das AVIATION FORUM im jährlichen Wechsel zwischen München und Hamburg stattfinden. Die IPM AG – Institut für Produktionsmanagement veranstaltet das AVIATION FORUM 2019 am 5. und 6. November im Conference Center Nord der Messe München. Schirmherr der Konferenzreihe ist an beiden Standorten Dr. Klaus Richter, CPO Airbus und Vorsitzender der Geschäftsführung von Airbus in Deutschland.

 

“Since its launch in 2010, the AVIATION FORUM Hamburg has surpassed all expectations. It has developed into a key platform for Airbus, where we connect with our global suppliers and partners to discuss and present future perspectives and directions for the global aerospace industry.” Dr. Klaus Richter, Chief Procurement Officer Airbus

 

Die Veranstaltungsreihe AVIATION FORUM München wird von bedeutenden Partnern aus der Luftfahrtindustrie unterstützt: Hierzu zählen insbesondere Airbus, der Bundesverband der

Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie sowie das in München ansässige Luftfahrtcluster bavAIRia. Das gemeinsame Ziel aller Partner ist es, das AVIATION FORUM als erfolgreiche Plattform für einen strategischen Austausch nationaler und internationaler Luftfahrtunternehmen auch in München zu etablieren. Im kommenden Jahr werden die Topmanager und Führungskräfte der Luftfahrtindustrie ihre Erfahrungen und Perspektiven zu den Themenfeldern Supply Chain Management, Globalisierung, Digitalisierung und Industrie 4.0 vorstellen und diskutieren. Interaktive Konferenzformate ermöglichen dabei die aktive Einbindung der Konferenzteilnehmer. Vielfältige Netzwerkmöglichkeiten bestehen darüber hinaus in der begleitenden Ausstellung und in B2BMeetings.

 

Weitere Informationen, insbesondere zu Referenten und Beteiligungsmöglichkeiten, stehen in Kürze auf der Website des AVIATION FORUM bereit (www.aviationforummunich.com).

 

Ihr Ansprechpartner:

Tony Brandstätter

Projektleiter AVIATION FORUM

IPM AG – Institut für Produktionsmanagement

+49 (0) 511 47314795

t.b@ipm.ag

www.ipm.ag


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Christopher Busch

Netzwerkmanager

Tel.: +49 711 32 73 25-90